Der Himmelsgott DIEVAS/DIEVS in den lettischen DAINAS

Die Dainas sind Lieder die sich im Baltikum und ganz besonders in Lettland aus uralter Zeit erhalten haben. So manch ein Lied oder ein Vers kündet dort noch von den alten Göttern der Balten.
Heute versuche ich mal nach dem Religions-Forscher Haralds Biezais ein paar dieser Verse schriftlich zu präsentieren und diese in eine chronologische Geschichte zu wandeln.
So beginne ich mit den höchsten Gott Dievas den die Letten Dievs nennen. Er ist der uralte Schwert-Gott und Göttervater den wir in indogermanischer und altgermanischer Zeit unter den Namen Tiewas(Tiwaz) kennen.

Sein Symbol war ein steiler Berg über dem eine silberne Sonne scheint. Das war der Himmelsberg auf den Dievs selbst silber-leuchtend thront. Aber nicht wie ein König sondern eher wie ein Bauer der Gerste sät. Denn die Balten waren wie die alten Germanen oder die nordischen Wikinger ein Volk von Bauern gewesen.
Und wenn sie am Horizont in geistiger Schau den den Himmelsberg erblickten und das silberne Licht darauf sahen, da sangen sie:

„Was glänzt dort, was glitzert dort
auf dem Gipfel jenes Berges?
Der liebe Dievs säte Gerste mit
silbernen Saatkorb.“

Und es heißt in vielen Liedern daß Dievas im Frühjahr aufbricht um zu den Menschen in das Tal zu reiten. So manch eine Gottheit wie die Sonnentochter bereitet ihm mit ihrer lichten Kraft die Bahn indem sie ihn die Tore für den Ausritt öffnet. Symbolisch sieht man auch hier an den Sternen-Handschuhen wie die Sonne aufgeht und die Sternennacht verdrängt:

„Sachte, sachte ritt Dievs vom
Berg herunter; die Sonnentochter
öffnet das Tor, mit Sternen-Handschuhen
an den Händen.“

An einer Stelle wird beschrieben warum Dievas so ganz sachte, langsam und vorsichtig reitet. Und zwar weil er das das Wachstum in der Welt nicht stören oder verschrecken möchte. Ganz behutsam und vorsichtig reitet er in die Welt hinab damit alles Leben sich ungestört entfalten und gedeihen kann. So bringt er langsam daß Licht, die Wärme und das Leben in die Welt ohne irgendjemanden zu stören, weder die Pflanze noch den Pflüger. Er will nichts durch seine Anwesenheit gefährden, denn alles soll in Ruhe sich entwickeln und gedeihen dürfen ohne verschreckt zu werden.
Und manchmal da geschieht ein Wunder, weil so manch ein Schäfer kann Dievas aus der Entfernung sehen wie er in einen alten heiligen Birkenhain reitet. Aus Neugier geht der arme Hüter ihm nach und findet im Birkenhain Dievas sein Schwert als Geschenk dort liegen. Dievs ist wieder fort, aber sein Schwert bleibt zurück damit es den Menschen Schutz und der Natur so wie der Saat gedeihen und Wachstum schenkt. Aus diesem Grund ist sein Schwert auch nicht mehr Silber sondern grün, sowie ein altes Bronze- oder Kupfer-Schwert. So steht auch in so manch einem Vers:

„Ich fand beim Hüten im Birkenhain
ein grünes Schwert; wo Dievs
den Gürtel gürtete, dort fiel
das Schwert hin.“

Die Menschen dachten daß er es verloren hätte als er zur Rast seinen schweren Gürtel ablegte. Aber in Wahrheit ließ er es ihnen, weil sie Hilfe und ein Wunder brauchten. Schutz und Segen für das kommende Jahr. Grün ist es dann weil es Wachstum bringt.

Aber nicht nur sein Schwert war besonders sondern auch seine Pferde. Denn er ritt nicht nur auf einem, sondern manchmal da kam er sogar mit einem ganzen Gespann von neun Pferden die seinen Wagen zogen. Und über diese Neun sang man:

„Dievs fuhr über den Berg aus
Steinen mit neun Pferden; sie
schwitzten nicht, sie wurden nicht
müde, man brauchte sie nicht auf
dem Wege zu füttern.“

Aber ähnlich wie die Geschichte mit Schwert als Dievas in den Birkenhain ritt, so ließ er auch manchmal den Menschen sein Pferd. Weil so manch ein armer Pflüger der keins mehr hatte brauchte Hilfe oder ein Wunder. Und so verschwand Dievs und ließ am Wegesrand sein stattliches Himmelsross zurück, damit er es finde und es ihm nütze. Und beim Anblick des Pferdes sah man die Himmelsmacht der Gestirne schimmern. Und so heißt es:

„Ich fand auf dem Wege das von
Dievs gerittene Roß: durch den
Sattel ging die Sonne auf, durch den
Zaum der Mond, am Ende des
Zügels rollte der Morgenstern.“

In weiser Voraussicht weiß er genau wer es finden wird und wie sehr er und die seinen es brauchen werden. Denn in seiner All-Weisheit weiß er genau wann wer wo sein wird, zum rechten Zeitpunkt.
Und so manches Mal ist solch ein wundersames junges Pferd in einer armen Bauern-Familie aufgetaucht, wo die Brüder dann einander fragten:

„Brüderlein, dein Rößlein hat silberne
Flecken! Wuchs es dir selbst
heran, oder hast du es von Dievs
geliehen?“

So versuchte Dievas die Armut in der Welt durch seine Gaben wieder auszugleichen. Darin erkennt man noch den alten Gott der Gerechtigkeit der versucht alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen was anfing sich zum schlechten und zur Not zu neigen. Er gleicht es wieder aus. Er verlangte nie Opfer oder Gegengaben. Denn er steht noch für einen Urstand wo das Gleichgewicht der kosmischen Ordnung selbstverständlich war daß man es ausgleichte wenn es sich zu Ungunsten neigte.

Dies war ein kleiner Ausflug in die Dainas und in die Verse die vom höchsten Gott Dievas kündeten. Aber auf dem Symbol des Himmelsberges da scheint nicht nur eine silber-weiße Sonne sondern noch zwei weitere. Eine ist rötlich, bronze-farben oder kupfern und die dritte ist golden. Jede steht für eine Gottheit. Und die anderen lernen wir demnächst kennen.

Björn Dieckmann

Quellen: Haralds Biezais – „Die Gottesgestalt der Lettischen Volksreligion.
Kapitel: III Dievs des Himmels. IV Dievs in seiner Himmelswirtschaft. V Dievs auf dem Lettischen Bauernhof. VI Universale Züge im Wesen von Dievs.