
„OSTARA, AUSTRA, AUSCHRINE“ Wer ist sie wirklich?
„Die baltischen Quellen aus Lettland und Litauen“
In Lettland wurde Ostara auch „Austra„(Austara) oder „Austriņa“ genannt. Es gab mal eine Anhöhe der Austriņa-Berg, wo die Menschen Blumen als Opfergabe niederlegten. Auch gab es daneben einen See, der genauso hieß.
In Litauen da trägt sie den Namen „Aušra“ und „Auśrìnė„. Und es gibt sogar eine Sage von ihr, die sich in beiden Ländern auf unterschiedliche Art und Weise erhalten hat. Sie wird dort gleichermaßen als Göttin der Morgenröte und als Sonnentochter bezeichnet. Sie ist die Tochter der Sonnengöttin „Saulė“ und des Donnergottes „Perkūnas/Pērkons„. Da der Donnergott im Baltikum auch rotbärtig ist, so erklärte man sich die rote Farbe der Morgenröte und auch der lichte, goldenene Glanz der Sonne. Auch spielt das Feuer in ihrer Verehrung eine ganz wichtige Rolle, da sie selbst das Himmels-Feuer ist, das zu den Menschen zu Erde hinab gesandt wurde. Auch steht sie mit dem Morgenstern in direkter Verbindung, was auch die Sage versucht zu erklären.
„Lange bevor die Sonne und der Mond einander ehelichten da liebten Perkūnas und die Sonne einander sehr. Das war noch bevor Perkūnas die Herrschaft von Dievas übernahm.
Aus dieser Liebe entstand die Göttin Aušrine. Sie hatte das rote Feuer ihres Vaters und die goldenene Schönheit ihrer Mutter. Sie ist die Morgenröte. Deshalb wird sie auch überall so genannt. Als Perkūnas die Schönheit der lichten Sonnen-Tochter sah, wusste er dass sie einen mutigen und ebenbürtigen Gemahl brauchte der in der Not sie auch beschützen konnte. Da bestimmte er den Morgenstern(Auseklis) zu ihrem zukünftigen Gemahl. Denn er überstrahlte alle anderen Sterne sowie der Held alle normalen Leute überstrahlt. So wurde die Verlobung von Perkūnas bestimmt und die beiden schienen auch sehr einander zugetan zu sein. Aber dann wurde sie vom Mond zur untreue verleitet und so brach sie diesen Bund. Da musste der Vater Perkūnas seine Tochter aus der Gemeinschaft der Götter verstoßen und so verbannte er sie auf die Erde.
Das goldenene und rote Feuer sollte jetzt den Menschen für immer Licht und Wärme spenden. So sollte nun ihr Feuer ebenso wie der Mond die dunkle Nacht erhellen.
Ab und zu da soll man sie auch auf der Erde in grünen Birken-Hainen sehen. Mal als kleine Flamme und mal in wunderschöner Menschen-Gestalt. Und wenn man großes Glück hat dann schenkt sie einen ihr Feuer, aber dieses darf man nicht ausgehen lassen weil dann bringt es Glück und Segen mit sich.
So glaubten die Menschen daß Perkūnas selbst in alter Zeit daß Feuer so zur Erde sannte“

Auch gibt es noch einige Erzählungen wie so manch ein glückloser Mensch ihr an wundersamen Orten begegnete und wie durch diese Begegnung das Leben des Menschen zum besseren änderte.
Ein Beispiel kann man hier nennen:
„Vor langer Zeit da lebte ein armes Mädchen Namens Ilse. Es war am Abend gewesen als sie noch über die ungemähten Wiesen ging. Sie kam an einem Bach vorbei als sie vor sich unter einer Birke einen Lichtschein sah. Sie dachte sofort das es sich um ein Geheimnis oder um einen Schatz handeln könnte, aber als sie darauf zuging da hörte sie auf einmal daß irgendjemand ihren Namen rief: Ilse, Ilse! Auf einmal war sie wie erstarrt und gebannt, denn die Stimme klang hell wie Silber. Sie schaute ängstlich um sich und bekreuzigte sich, doch sie sah niemanden.
Sie fasste sich und wollte weitergehen doch dann hörte sie die Stimme nochmal ihren Namen rufen.
Da bemerkte sie das an der Birke ein sonderbares Feuer brannte. Ehe sie sich versah wandelte sich das Feuer in einen Leib einer wunderschönen jungen Frau, von der ein lichter Glanz ausging.
Mit sanfter heller Stimme sprach sie zu Ilse daß sie keine Angst haben brauchte, weil sie weder eine Hexe ist oder gar ein Geist. Als die Furcht in Ilse verschwand da schritt die lichte Gestalt wie schwebend auf sie zu und als sie vertrauen fasste da begann sie ihr ihre Geschichte zu erzählen. Also daß sie die Tochter der Sonne ist und wie sie durch den Mond zur Untreue verleitet und wie ihr Vater durch das anstiften ihrer Mutter sie aus dem Reich der Götter verstoßen und auf die Erde verbannt wurde.
Dann sprach die Sonnen-Tochter zu Ilse weiter: Ich war dir schon immer wohlgesinnt, drum nimm von diesem Feuer hier etwas zu dir nachhause. Denn wenn du es als Herdfeuer immer hütest und es niemals ausgehen läßt dann wirst du dein Leben lang Glück haben. Denn du hast trotz deiner Armut auch einmal Glück verdient! Auf einmal verschwand die lichte Sonnentochter als wäre sie niemals da gewesen.
Ilse nahm den Brand und trug ihn heim und wachte über das Feuer daß es nicht ausging. Und es dauerte kein Jahr, so daß sie sogar ein junger Mann heiratete, was zuvor aufgrund ihrer Armut nicht möglich war. Denn Segen und Reichtum zog bei ihr ein.
Ab und zu soll die Sonnentochter noch an geheimnisvollen Orten gesehen worden sein, wie sie traurig zum Himmel blickte und sich zurück in den Kreis der Götter sehnte.“
Ähnliche Sagen von solchen Begegnungen gibt es nicht nur im Baltikum sondern auch noch im deutschen Harzgebirge. Dort nämlich gibt es noch viele ehemalige Kultstätten die Ostara geweiht waren und dort lebt sie noch weiter in Gestalt der Oster-Jungfrau die sich noch an manchen dieser einstigen Heiligtümern an besonderen Tagen zur Osterzeit zeigt.
Quellen: „GERMANISCHE UND BALTISCHE RELIGION“ von Äke v. Ström und Harald Biezais. Kapitel: 5. Die Gottessöhne und Sonnentöchter, Kapitel 6. Auseklis.
„LETTISCHE VOLKSLIEDER UND MYTHEN“ von Victor v. Andrejanoff. Kapitel: Sonne und Mond.
„LETTISCHE MÄRCHEN“ von Victor v. Andrejanoff.
Kapitel: Die Sonnentochter, 1. Mythe, 2. Märchen.
„RASA -GÖTTER UND RITUALE DES BALTISCHEN HEIDENTUMS“ von Jonas Trinkunas. Glossar: Aušrine.
Buchseiten in Altdeutsch aus WALHALL – GERMANISCHE GÖTTER UND HELDENSAGEN. Kapitel: Andere Götter und Göttinnen.
Gesammelt und Neu-erzählt von Björn Dieckmann.