Die Sonnengöttin Saulé

Sonnengöttin Saulé
Sonnengöttin Saule

„DIE SONNENGÖTTIN SAULĖ IN DEN LITAUISCHEN UND LETTISCHEN DAINAS

In der Baltischen Mythologie und den Volksliedern lebt noch immer die alte Sonnengöttin fort die wir in der Nordischen Mythologie unter dem Namen Sól kennen und die man bei den alten Germanen Sunna nannte. Es ist noch immer jene uralte Göttin die in einem Wagen der von wundersamen Pferden gezogen wird und die in Gestalt der Sonne über die Welt fährt damit wir Licht und Wärme haben.
In der Nordischen Mythologie wird Sól nur kurz erwähnt und im Altgermanischen ist uns nur noch ihr Name erhalten. Ganz anders ist es im Baltikum, weil dort lebt sie in den Dainas und in der Dichtung noch immer weiter und dort spricht sie sogar selbst in den Liedern über ihr Tagewerk und antwortet den fragenden wie hier. Und dieses Mal beginnen die Lieder mit einer litauischen Variante:

„Geliebte Saulė,
Dievas Tochter,
Wo weilest du so lang,
Wo wohnest du so lang,
Wenn du dich von uns entfernst?

Jenseits der Mere, jenseits der Berge
Da schütz ich herrenlos‘ Gut
Dort wärme ich die Hirten.

Geliebte Sonne,
Gottes Tochter,
Wer wird am Morgen
Dein Feuer entzünden?
Wer am Abend dir dein Bett bereiten?

Der Morgenstern, der Abendstern,
Der Morgenstern entzündet mein Feuer,
Der Abendstern bereitet mein Bett.
Viele sind mir Freund und Sippe,
Viele mein Geschenk und Segen.“

An einer anderen Stelle werden ähnliche Fragen gestellt wo Saulė selbst wieder antwortet:

„Geliebte Saulė, Dievas Tochter,
Wo warst du nur den ganzen Tag?

Bei den Bergen und Meeren
meine Kinder zu wärmen,
meine zahllosen Gaben.“

Was kaum jemand weiß ist daß die alten Götter einsam sind und das sie ihre Wege immer alleine ziehen. Ähnlich ergeht es Dievas oder Perkūnas aber über Saulė ist so manch ein Vers über ihre Traurigkeit und Tränen geschrieben worden:

„Hohe Dünen stehn am Meere,
Rote Beeren dort erwuchsen;
Viel geweint hat dort die Sonne,
Ihre Tränen sind die Beeren.“

Der Schmerz und die Traurigkeit der Götter fällt den Menschen meist zum Segen aus, ähnlich wie das Wirken der Götter selbst. Hier zum Beispiel wachsen durch ihre Tränen die roten Beeren im Sommer zur Reife, damit die Menschen auch dadurch etwas Nahrung haben. Aber meistens ist es der warme Sommerregen der sanft auf die Blätter rieselt. Solch ein Regen kennen wir auch als „Die Tränen der Götter“ oder als die „Tränen des Himmels“. Deutlich zeigt es sich in diesem Vers der Lettischen Dainas, wo ihr weinen aber nicht unbemerkt bleibt. Denn der Himmelsgott Dievs und die Schicksalsgöttin Laima sehen es und fühlen mit:

„Dievs weiß, Laima weiß, dass
die Sonne sehr weint; ganze
Wälder sind von den bitteren Tränen
der Sonne voll gerieselt.“

Doch wenn die holde Sonnengöttin Saulė am Tag über daß Kornfeld geht, dann verneigen sich vor ihr in Achtung und Ehrerbietung sogar die Kornähren. Und wenn die Menschen später die gebeugten goldenen Ähren vorfinden, dann glauben sie das es davon kommt weil Saulės Schürze auf ihnen lag. Aber es war für sie ein Zeichen dass die gute Göttin über ihre Felder zum Segen ging und die Reife brachte:

Saulė geht durchs Roggenfeld,
geht mit hochgeraffter Schürze.
Wo sie ihre Schürze senkt,
neigen sich die goldenen Ähren.“

Saulė ist es auch der die dritte und goldene Sonne am Symbol des Himmelsberges gehört. Die höchste und silberne gehört Dievas, die kupfer-rote Perkūnas und die goldenene Sonne gehört Saulė. 3 Himmelsgötter als Segensreiche Herrscher und Freunde der Menschen. Es gibt noch soviele alte Verse und Geschichten daß ich noch ewig weiter machen könnte. Aber hier höre ich erst einmal auf. Aber trotzdem weiß ich jetzt warum die Balten am längsten an ihren Göttern fest hielten. Weil die Götter dort als liebe Freunde und Familie in ihren Herzen wohnten. Und so lebten sie ewig weiter in ihren Liedern und überdauerten die Zeit, bis heute.

Zeichen der Saule

Björn Diekmann

Quellen: Jonas Trinkunas – „Rasa – Götter und Rituale des Baltischen Heidentums“. Kapitel: Alte litauische Lieder, Rasa die litauische Sommer-Sonnenwende.
Victor von Andrejanoff – „Lettische Volkslieder und Mythen“. Kapitel: In freier Natur.
„Hab fünf Truhen voller Lieder – Lettische Dainas“. Kapitel: Sonne geht durchs Roggenfeld.
Haralds Biezais – Die Hauptgöttinnen der alten Letten. Kapitel: Laima und die Sonne.

Der Himmelsgott DIEVAS/DIEVS in den lettischen DAINAS

Die Dainas sind Lieder die sich im Baltikum und ganz besonders in Lettland aus uralter Zeit erhalten haben. So manch ein Lied oder ein Vers kündet dort noch von den alten Göttern der Balten.
Heute versuche ich mal nach dem Religions-Forscher Haralds Biezais ein paar dieser Verse schriftlich zu präsentieren und diese in eine chronologische Geschichte zu wandeln.
So beginne ich mit den höchsten Gott Dievas den die Letten Dievs nennen. Er ist der uralte Schwert-Gott und Göttervater den wir in indogermanischer und altgermanischer Zeit unter den Namen Tiewas(Tiwaz) kennen.

Sein Symbol war ein steiler Berg über dem eine silberne Sonne scheint. Das war der Himmelsberg auf den Dievs selbst silber-leuchtend thront. Aber nicht wie ein König sondern eher wie ein Bauer der Gerste sät. Denn die Balten waren wie die alten Germanen oder die nordischen Wikinger ein Volk von Bauern gewesen.
Und wenn sie am Horizont in geistiger Schau den den Himmelsberg erblickten und das silberne Licht darauf sahen, da sangen sie:

„Was glänzt dort, was glitzert dort
auf dem Gipfel jenes Berges?
Der liebe Dievs säte Gerste mit
silbernen Saatkorb.“

Und es heißt in vielen Liedern daß Dievas im Frühjahr aufbricht um zu den Menschen in das Tal zu reiten. So manch eine Gottheit wie die Sonnentochter bereitet ihm mit ihrer lichten Kraft die Bahn indem sie ihn die Tore für den Ausritt öffnet. Symbolisch sieht man auch hier an den Sternen-Handschuhen wie die Sonne aufgeht und die Sternennacht verdrängt:

„Sachte, sachte ritt Dievs vom
Berg herunter; die Sonnentochter
öffnet das Tor, mit Sternen-Handschuhen
an den Händen.“

An einer Stelle wird beschrieben warum Dievas so ganz sachte, langsam und vorsichtig reitet. Und zwar weil er das das Wachstum in der Welt nicht stören oder verschrecken möchte. Ganz behutsam und vorsichtig reitet er in die Welt hinab damit alles Leben sich ungestört entfalten und gedeihen kann. So bringt er langsam daß Licht, die Wärme und das Leben in die Welt ohne irgendjemanden zu stören, weder die Pflanze noch den Pflüger. Er will nichts durch seine Anwesenheit gefährden, denn alles soll in Ruhe sich entwickeln und gedeihen dürfen ohne verschreckt zu werden.
Und manchmal da geschieht ein Wunder, weil so manch ein Schäfer kann Dievas aus der Entfernung sehen wie er in einen alten heiligen Birkenhain reitet. Aus Neugier geht der arme Hüter ihm nach und findet im Birkenhain Dievas sein Schwert als Geschenk dort liegen. Dievs ist wieder fort, aber sein Schwert bleibt zurück damit es den Menschen Schutz und der Natur so wie der Saat gedeihen und Wachstum schenkt. Aus diesem Grund ist sein Schwert auch nicht mehr Silber sondern grün, sowie ein altes Bronze- oder Kupfer-Schwert. So steht auch in so manch einem Vers:

„Ich fand beim Hüten im Birkenhain
ein grünes Schwert; wo Dievs
den Gürtel gürtete, dort fiel
das Schwert hin.“

Die Menschen dachten daß er es verloren hätte als er zur Rast seinen schweren Gürtel ablegte. Aber in Wahrheit ließ er es ihnen, weil sie Hilfe und ein Wunder brauchten. Schutz und Segen für das kommende Jahr. Grün ist es dann weil es Wachstum bringt.

Aber nicht nur sein Schwert war besonders sondern auch seine Pferde. Denn er ritt nicht nur auf einem, sondern manchmal da kam er sogar mit einem ganzen Gespann von neun Pferden die seinen Wagen zogen. Und über diese Neun sang man:

„Dievs fuhr über den Berg aus
Steinen mit neun Pferden; sie
schwitzten nicht, sie wurden nicht
müde, man brauchte sie nicht auf
dem Wege zu füttern.“

Aber ähnlich wie die Geschichte mit Schwert als Dievas in den Birkenhain ritt, so ließ er auch manchmal den Menschen sein Pferd. Weil so manch ein armer Pflüger der keins mehr hatte brauchte Hilfe oder ein Wunder. Und so verschwand Dievs und ließ am Wegesrand sein stattliches Himmelsross zurück, damit er es finde und es ihm nütze. Und beim Anblick des Pferdes sah man die Himmelsmacht der Gestirne schimmern. Und so heißt es:

„Ich fand auf dem Wege das von
Dievs gerittene Roß: durch den
Sattel ging die Sonne auf, durch den
Zaum der Mond, am Ende des
Zügels rollte der Morgenstern.“

In weiser Voraussicht weiß er genau wer es finden wird und wie sehr er und die seinen es brauchen werden. Denn in seiner All-Weisheit weiß er genau wann wer wo sein wird, zum rechten Zeitpunkt.
Und so manches Mal ist solch ein wundersames junges Pferd in einer armen Bauern-Familie aufgetaucht, wo die Brüder dann einander fragten:

„Brüderlein, dein Rößlein hat silberne
Flecken! Wuchs es dir selbst
heran, oder hast du es von Dievs
geliehen?“

So versuchte Dievas die Armut in der Welt durch seine Gaben wieder auszugleichen. Darin erkennt man noch den alten Gott der Gerechtigkeit der versucht alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen was anfing sich zum schlechten und zur Not zu neigen. Er gleicht es wieder aus. Er verlangte nie Opfer oder Gegengaben. Denn er steht noch für einen Urstand wo das Gleichgewicht der kosmischen Ordnung selbstverständlich war daß man es ausgleichte wenn es sich zu Ungunsten neigte.

Dies war ein kleiner Ausflug in die Dainas und in die Verse die vom höchsten Gott Dievas kündeten. Aber auf dem Symbol des Himmelsberges da scheint nicht nur eine silber-weiße Sonne sondern noch zwei weitere. Eine ist rötlich, bronze-farben oder kupfern und die dritte ist golden. Jede steht für eine Gottheit. Und die anderen lernen wir demnächst kennen.

Björn Dieckmann

Quellen: Haralds Biezais – „Die Gottesgestalt der Lettischen Volksreligion.
Kapitel: III Dievs des Himmels. IV Dievs in seiner Himmelswirtschaft. V Dievs auf dem Lettischen Bauernhof. VI Universale Züge im Wesen von Dievs.

Perkunos und das Vieh

Als die Welt noch jung war da wollte Perkunos diese kennenlernen weil sie ihm vom Höchsten anvertraut wurde. Das war eine Zeit gewesen wo es noch fast gar keine Menschen gab und wo die Tiere noch sprechen konnten. Perkunos nahm die Gestalt eines einfachen Reisenden an und durch wanderte die Welt um das gute Herz der Geschöpfe zu prüfen die auf ihr lebten.
Da begegnete er zuerst dem Pferd daß damals noch sehr hochmütig war. Es war gerade dabei zu grasen und ließ sich nicht stören. Da fragte der Reisende Gott höflich: Sag, kannst du mir vielleicht den Weg zum Fluss zeigen? Da sprach das Pferd: Jetzt nicht, ich fresse lieber!
Aber die Frage hatte ein Rind gehört daß abseits auch weidete. Da kam das Rind näher und sprach: Ich will dir helfen lieber Fremdling, und dir den Weg zum Fluss zeigen.
Da sprach nun Perkunos zum Pferd leicht zornig: Da du anderen nicht helfen wolltest und lieber fressen willst so sollst du nun ewig grasen und niemals satt werden! Und unterbrechen kann dich von nun an nur noch deine schreckhaftigkeit.
Aber zum Rind sprach er: Du hast ein gutes Herz und ein gutes Wesen, und deshalb sollst du immer genüsslich grasen dürfen und satt werden! Du sollst dabei auch immer deinen Frieden haben.
Das ist der Grund warum die Pferde heute immer noch ununterbrochen grasen und auch so schreckhaft sind, während sich das Rind immer nach dem fressen gemütlich niederlegt.

Quellen: Ferdinand Hirt – Zwischen Wechsel und Memel. Kapitel: Perkunos und die weidenden Tiere.
Jonas Trinkunas – Rasa, Götter und Rituale des Baltischen Heidentums. Kapitel Dievas, Perkūnas,, Velinas und der Nachtrag.
Jacob Grimm – Deutsche Mythologie. Kapitel: Vorrede.
Claudius Crönert – Die Herren der Schwerter. Kapitel 6. Gesammelt und Neu-erzählt von Björn Dieckmann.

Perkunos und Velinas

Nachdem der höchste Gott Dievas, den die alten Kuren auch Devs oder Deiwus nannten, mit seinem Bruder und Gehilfen Velinas der auch bei den Prussen Patulos genannt wurde die Welt und alles was darin war geschaffen hatte, da wollte Dievas einen würdigen Beschützer für sie haben. Er brauchte jemanden den er vertrauen konnte und der das Leben, die Menschen und das Recht schützte. Auch musste er das Unrecht richten und den Tod vom Leben fern halten können.
Velinas bot sich selbst für diese Aufgabe an weil er schon immer wie Dievas über alles herrschen wollte. Doch Dievas wusste daß Velinas nicht würdig war weil dieser durch seine verschlagene Art nur Leid, Schmerz und Schaden brachte. So wurde der Einäugige Velinas nur zum Gott der Toten, der Gespenster und zum Bringer des Todes selbst.
Das passte mehr zu seiner Art.
Aber zum Beschützer der Erde, des Lebens und der Menschen machte er dann den starken Donnergott Perkunos. Auch wenn Perkunos recht polternd und grimmig wirkte so hatte er doch das Herz am rechten Fleck. Denn er duldete kein Unrecht und schlug ohne zu zögern mit seinen Blitzen und seiner feurigen Axt zu!
So geschah es oft daß wenn Velinas(Patulos) sich einem Haus der Menschen näherte um den Tod zu bringen dann warf Perkunos sofort seine fürchterlichen Blitze nach ihm und machte sogar noch persönlich Jagd auf ihn. Selbst wenn Velinas sich unter den Bäumen versteckt wie zum Beispiel unter den heiligen Eichen des Donnergottes, weil er denkt diese würde Perkunos nicht anrühren weil sie ihm heilig sind, so wirft Perkunos seine Blitze trotzdem und verfolgt Velinas weiter.
Das ist der Grund warum Blitze so oft in Bäumen und Häusern einschlagen. Perkunos meint es nicht böse wenn er das tut, er nimmt nur seine Aufgabe sehr ernst die ihn anvertraut wurde. Er versucht nur Velinas zu vertreiben und den Tod fern zu halten.
Als dann später das Christentum einzog da glaubten die Menschen weiterhin lieber an Perkunos als an den Christen-Gott.
So übernahm der neue Christen-Gott die alten guten Wesenszüge des Himmelsgottes Dievas und der Donnergott Perkūnas wurde sein Vollstrecker. Aber Velinas wurde zum Teufel und zu ihren Gegenspieler.

Quellen: Ferdinand Hirt – Zwischen Wechsel und Memel. Kapitel: Perkunos und die weidenden Tiere.
Jonas Trinkunas – Rasa, Götter und Rituale des Baltischen Heidentums. Kapitel Dievas, Perkūnas,, Velinas und der Nachtrag.
Jacob Grimm – Deutsche Mythologie. Kapitel: Vorrede.
Claudius Crönert – Die Herren der Schwerter. Kapitel 6. Gesammelt und Neu-erzählt von Björn Dieckmann.

Hexe Ragana

Ragana wird an anderer Stelle schon beschrieben, deshalb möchte ich hier nicht so viel wiederholen. Doch einige interessante Infos und schöne Grafiken möchte ich hier im Blog noch veröffentlichen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt…

Die schöne Ragana lebt normalerweise in einem Schloss, welches von Normalsterblichen kaum erreicht werden kann. Umgeben von undurchdringlichem Dornengewächs, versteckt in einem Zaubernebel, der auch tagsüber die Konturen verdeckt, zwischen hohen Bäumen, tront das Schloss auf einem Berg.

Raganas Schloss
Raganas Schloss

Dort herrscht sie über das Land mithilfe ihrer schwarzen Magie und zahlreichen Zauberwesen. Selbst die Tierwelt des Waldes meidet das Gebiet des Schlosses. Nur blutsaugende Fledermäuse, heulende wilde Wölfe und giftige Schlagen wagen sich in die Nähe, so dass Niemand wagt, dieses Schloss aufzusuchen. Es führt kein Weg von der Außenwelt ins Schloss.

In das Schloss gelangen Außenstehende nur über magische Brunnen. Diese Brunnen stehen im dunklen Wald verstreut, meist zugewuchert mit giftigem Efeu oder dornigen Sträuchern. Den ein oder anderen findet man aber auch auf nebelverhangenen Lichtungen. Meist scheinen sie leer und die Tiefe ist nicht zu erblicken. Doch sollte man es nicht wagen, in einen der leeren Brunnen hinabzusteigen, denn nur wenige führen über einen magischen Weg zum Schloss! Im falschen Brunnen rutscht man unweigerlich an den glitschigen und glatten Wänden ab und stürzt in die Tiefe, ohne die Chance zurück zu kommen. Entweder man bricht sich sämtliche Knochen beim Sturz in die Tiefe, oder ertrinkt elendig im Brackwasser. Selbst sehr lange Seile, die man zum klettern herunterläßt, belegen sich schnell mit einem magischen, schleimigen und ätzenden Belag, der unwiederbringlich zum Absturz führt! Man stürzt also so oder so, sodass man eigentlich gleich hinabspringen kann.

Doch hat man einen der wenigen echten magischen Tor-Brunnen gefunden, gelangt man über das Magieportal über den Sturz direkt unversehrt ins Zentrum des Schlosses.

Raganas Brunnen
Ragana an einem Zauberbrunnen

Ragana selber muss aber nicht über den Brunnen ins Schloss reisen. Sie teleportiert einfach direkt in ihr Heim. Ihre schwarze Magie ist grenzenlos. Kommt es ihr aber in den Sinn, selber über einen Brunnen zu reisen, lässt sie mit einem Zauberspruch das Wasser versiegen und kommt trockenen Fußes zum Thron.

Doch woher hat Ragana ihre Macht und Zauberkraft? Die bekommt sie durch unschuldige Seelen! Sie durchstreift die Wälder und sucht nach Kindern, die sich verlaufen haben oder nicht Obacht geben. Sie lockt sie mit ihrer harmlos scheinenden Schönheit vom Wege ab und fängt sie ein. Manchmal wird sie von den zauberhaften Laumen unterstützt. Zauberwesen, die Feengleich den Wald durchstreifen und böse Kinder fangen.

Jagdhütten, versteckt im Wald, dienen als Zwischenlager oder Auffangstätte, wo die Kinder gefangen gehalten werden. Ahnungslose Wanderer, die solch eine Hütte durch Zufall finden, sollten schleunigst das Weite suchen! Nicht, dass Ragana sie erwischt und verzaubert…

Ragana und die Kinderschar

Die Kinder werden dann gemeinsam von ihr unter einem Vorwand ins Schloss geführt. Man sagt ihr Kanibalismus nach, indem sie die Kinder mästet und von niederwürfigen Dienern und Dämonen zubereitet werden.

Aber auch ein Übertragen der Seelen mittels Magie ist ein Weg, ihre Schönheit und ewige Jugend zu erhalten. Und ihr Durst nach neuen Seelen ist unstillbar!

Hexe Ragana
Raganas Thron

Update 12/2025! Ein Song über Ragana, der schaurigschönen Hexe.

Hexe Ragana und Finn

In einem düsteren Teil des tiefen Waldes hauste die schöne, aber böse Hexe Ragana. Mit ihren weißen Haaren und den kohleschwarzen Augen, die wie gefrorenes Eis funkelten, verbreitete sie Angst und Schrecken unter den Bewohnern nahegelegener Dörfer und selbst dem ganzen Land. Ihr Waldhaus war von einem undurchdringlichen Netz aus Dornen umgeben, das jeden abschreckte, der sich ihr nähern wollte.

Ragana war dafür bekannt, Kinder zu fangen, die sich in den Wald verirrten. Ihre düsteren Zauber und listigen Fallen lockten unschuldige Seelen in ihr Reich des Schreckens. Ihr schönes Antlitz täuscht die unschuldigen Kinder. Diejenigen, die es wagten, den Wald zu durchqueren, erzählten von unheimlichen Geschichten über verlorene Kinder, die nie wieder zurückkehrten. Man sagt, dass sie die Kinder mästet und am Ende in ihr magisches Schloss verbringt und gar selbst verspeist. Das magische Schloss ist von Fremden nur über einen Zauberbrunnen zu erreichen, dessen Standort aber Niemand genau kennt.

Eines Tages machte sich ein mutiger Junge namens Finn auf den Weg, um das Rätsel um die verschwundenen Kinder zu lösen. Mit seinem scharfen Verstand und seinem tapferen Herzen wagte er es, die Gefahren des Waldes zu trotzen. Dank seiner Größe schaffte er es auch, das undurchdringliche Unterholz zu durchqueren und Wege zu gehen, die kein Erwachsener jemals finden würde. Als er schließlich vor der düsteren Hütte der Hexe stand, spürte er eine eisige Kälte, die ihm den Atem raubte.

Finn betrat die Hütte und fand sich in einem Labyrinth aus Dunkelheit und Magie wieder. Ragana war anscheinend nicht zu Hause, denn nur eine einzelne Kerze erhellte die Räume. Überall um ihn herum lauerten Schatten und unheimliche Geräusche. Plötzlich hörte er das Weinen eines Kindes und folgte dem Klang durch die düsteren Gänge.

In einem versteckten Raum des tiefen Kellers im Haus entdeckte er eine Gruppe verängstigter Kinder, gefangen durch Raganas finsteren Zauber. Manche hatten sich im Wald verlaufen, andere wurden beim Spielen einfach von Ragana gepackt und mitgenommen. Nun warteten sie auf ihre ungewisse Zukunft und die magische Reise ins Schloss. Würden sie durch den magischen Brunnen geführt, oder brachten Zauberwesen sie ins Schloss? Doch mit Entschlossenheit und List gelang es Finn das Schloss an der Eisentür zu öffnen, die Kinder zu befreien und aus der Hütte zu entkommen, bevor die Hexe zurückkehrte.

Ragana, wütend über ihre entkommenen Opfer, schwor Rache und jagte Finn und die Kinder durch den Wald. Doch die mutige Truppe fand Hilfe bei den Tieren des Waldes und überlistete die Hexe mit ihrer eigenen Magie.

Am Ende wurde Ragana durch Finns Schlauheit besiegt und die Kinder wurden sicher zu ihren Familien zurückgebracht. Finn wurde als Held gefeiert und die Legende von der bösen Hexe Ragana wurde zu einer Warnung für alle, die es wagten, den dunklen Wald zu betreten.

Der Opferstein auf dem Rombinus und der Auszug der Laumen

Die Laumen vom Rombinus

Von dem Dorfe Bitthenen auf der rechten Seite der Memel erhebt sich das anfangs ganz niedrige Ufer, vom Strome durch einen schmalen Rand getrennt, eine Achtelmeile weit nach Westen hin in immer jäheren Abschüssen bis zu der Höhe von 150 Fuß; von hier aus zieht es sich, eine Ecke bildend, in einer dem jetzigen Laufe des Stromes beinahe entgegengesetzten Richtung nordwärts, schroff und durchschluchtet, dann sanfter abfallend bis zum Dorfe Barden, wo es sich nach der Nordseite in kaum merklichen Absenkungen mit dem Flachlande verliert. Dieses Ufer ist der historisch merkwürdige Rombinus oder Rambin, schrägüber der Stadt Ragnit gelegen. Hier war vor Zeiten der heiligste Ort in ganz Litthauen, denn dort war der große Opferstein, auf welchem ganz Litthauen dem ersten seiner Götter, dem Perkunos opferte. Man erkennt jetzt noch an den Erhöhungen und sandigen Stellen auf dem Gipfel des Berges einen förmlichen den Berg vom übrigen Flachlande trennenden Halbkreis, der den heiligen Wald, der noch vor 100 Jahren vorhanden war und an dessen Stelle sich jetzt Sümpfe und Dorfmoore ausbreiten, umschlossen haben mag. Hier stand der Opferstein, den sich der Gott Perkunos selbst hier hingelegt hatte. Dieser Opferstein war ein länglichrunder Block mit einer schräg geebneten Oberfläche, hatte 15 Ellen im Umfange und maß an der niedrigeren Seite 5, an der höhern gegen 9 Fuß und steckte dabei noch tief in der Erde. Er lag von Norden nach Süden, so daß die Sonne seine Oberfläche immer treffen mußte. Er bestand aus hartem rothschwarzen Granit mit Hornblende. Unter demselben war nach. Einigen eine goldene Schüssel und eine goldene Egge vergraben, nach Andern eine Kette, eine Egge, eine Harke, ein Pflug von Gold und eine Wiege und Tischgeschirr von Silber, denn Perkunos war der Gott der Fruchtbarkeit und darum begaben sich noch bis in die späteste Zeit die Litthauer, namentlich junge Eheleute, dorthin und opferten hier um Fruchtbarkeit im Hause und auf dem Felde zu gewinnen. Es scheint jedoch, daß auch andere Götter hier verehrt worden sind, denn Frauen durften den Berg nur in reinlichen Kleidern und geschmückt betreten, im entgegengesetzten Falle wurden sie mit Krankheit bestraft. Wahrscheinlich hatten also Laima (die Glücksgöttin) und Laume (die Erdgöttin oder ein weiblicher Berggeist) ihre Altäre. Daß aber auch Potrimpos hier verehrt ward, darauf deutet das goldene Ackergeräthe, welches sich noch in dem Berge befinden soll, das in den Opferstein eingearbeitete Zeichen eines Schwertes und die vielen dort gefundenen Armringe und Kränze, fast immer Schlangen vorstellend, hin. Uebrigens beginnen in gleicher Richtung mit der Opferstelle die doppelten 15 bis 30 Fuß hohen Wälle und bilden da, wo sie am höchsten sind, ein geschlossenes Viereck, Pillis- oder Pillatis-Schloß genannt. Von hier an zieht sich der Wall nur einfach weiter durch den jetzigen Fichtenwald bis zum Dorfe Bitthenen. Es geht nun seit langen Jahren die Sage in jener Gegend, daß, so lange der Stein auf jenem Berge stehe, auch der Berg stehen werde, sei aber jener weg, dann werde er versinken. Leider ist dies aber im Jahre 1811 geschehen.

Es wollte nämlich ein Müller in dem Dorfe Barten, welches nordöstlich am Fuße des Rombinus liegt, Namens Schwarz, ein Deutscher, zwei neue Windmühlen anlegen und brauchte dazu zwei neue Mühlsteine und er meinte, daß diese wohl jener Opferstein hergeben werde. Allein er fürchtete sich vor seinen abergläubischen Nachbarn, den Litthauern, er verschaffte sich also einen schriftlichen Erlaubnißschein vom Landrath, den Stein dort wegschaffen und benutzen zu dürfen. Dagegen konnte Niemand etwas machen, so sehr wie auch Alles außer sich darüber war. Indeß fand er lange Niemanden, der sich dazu hergeben wollte, den Stein fortzuschaffen und zu spalten, denn dreimal hatten schon Arbeiter versucht ihn zu sprengen, doch wenn sie Hand ans Werk legen wollten, waren sie wie gelähmt. Endlich ließen sich doch zwei starke Burschen aus der Nachbarschaft – der eine war, Namens Rubel, aus Nibutschen bei Gumbinnen, der andere, Namens Blitzner, aus dem Dorfe Preußen bei Tilsit – breitschlagen, diese Arbeit für hohen Lohn zu übernehmen. Mit diesen begab sich der Müller an Ort und Stelle. Den ersten Schlag that der Mann aus dem Dorfe Preußen, aber gleichzeitig flog ihm auch ein Stück abgeschlagener Stein ins Auge und er erblindete noch auf diesem und dem andern an demselben Tage. Der Mann aus Gumbinnen sprengte zwar den Stein und brachte ihn auch in die Mühle, allein auf dem Nachhauseweg erkrankte er und starb auf freiem Felde. Einige andere Arbeiter, welche mit fortschaffen geholfen hatten, verkrüppelten. Als die Mühlsteine abgeladen wurden, brach der Wagen, einer rollte herunter und beschädigte mehrere Menschen. Nach mehreren Monaten konnte er auf die Mühle gebracht werden. Der Schullehrer Ehlert half beim Aufwinden, verunglückte dabei und blieb siech. Der Müllerbursche Paulus hatte beim Schärfen des aufgewundenen Steins einen Splitter von der Stahlpicke ins Auge bekommen, erblindete und ward erst vom Müller Schwarz, dann von dessen Wittwe ernährt, bis er im Jahre 1836 starb. Der Mühlläufer blieb ein halbes Jahr am Kruge in Barden liegen, da viele Pferde gestürzt waren, wenn sie ihn fortziehen sollten. Er kam endlich nach Tilsit und gleich nach einigen Wochen brach er einem Müllergesellen den Arm. Er wurde, vorgeblich weil er zu hart sei, hinausgebracht, lag lange auf dem Hofe, bis er auf die Kummetzische Mühle am Teiche bei Tilsit verkauft war. Hier hatte der Müller Schwarz, bei dem seit dem Zerschlagen des Steines alles rückwärts gegangen war und von dem sich seine Frau hatte scheiden lassen, weil er sich der Liderlichkeit und dem Trunke ergeben hatte, ein Unterkommen gefunden, weil er seiner Frau nichts zugebracht hatte und deshalb nackt und bloß aus der Bartener Mühle hatte herausgehen müssen. Eines Morgens im Jahre 1831 stand bei vollem Winde die Mühle plötzlich still, man sah nach, woran dies lag, und fand Schwarz ins Kammrad verflochten. Seitdem haben die Strafen aufgehört. So hatte der Rachegeist des Rombinus sich nach 24 Jahren noch an seinem Feinde abgefunden. Seitdem der Stein fort ist, frißt der Memelstrom in den Rombinus hinein und oben auf der Höhe desselben weht der Wind den Sand auseinander, so daß man bald die alte Opferstätte nicht mehr erkennen kann. Dazu kommt, daß in einer stürmischen Septembernacht des Jahres 1835 ein großer Theil des Berges so in die Memel gestürzt ist, daß sich zwar hier eine Erdzunge gebildet hat, daß aber der Weg zwischen dem eingestürzten Berge und der Memel ganz unversehrt geblieben, dabei auch derjenige Theil desselben, auf dem der Opferstein gestanden hat, ganz verschont und erhalten worden ist. Stürzt aber auch dieser ein, dann wird, wie die Litthauer sagen, großes Elend über das Land kommen.

Man sagt nun, daß kurz vor jenem Bergfall einmal in der Nacht der Fährmann über den Memelfluß des Nachts aus dem Schlafe geweckt worden ist; als er erschreckt fragte, wer da sei, da wimmelte es vor seinen Augen von einer großen Menge kleiner Leute, es waren die Laumen, die kleinen Berggeister, welche mit ihren Schätzen und aller ihrer Habe aus dem Spalte des Rombinus herausgezogen waren und sich in seinen Kahn drängten und übergesetzt zu werden verlangten. Kaum vermochte er den Kahn ans andere Ufer zu bringen, denn er hatte bereits Wasser zu schöpfen begonnen. Hier angekommen, sprangen sie alle heraus und sagten ihm, sie verließen den Berg, weil die Menschen, welche lange schon ihre Götter vertrieben hätten, nun auch ihren letzten Altar umstürzen wollten. Als sie den Kahn verlassen hatten, durchstöberte er alle Ecken desselben nach dem versprochenen reichen Lohne, allein er fand nichts als Kohlen und Sand darin. Er warf dies mit Schelten über Bord und ruderte nach Hause, als er aber hier den Seinigen von dem, was ihm begegnet war, erzählte, sahen seine Kinder, die in den Kahn gestiegen waren, in der Ecke desselben etwas Glänzendes blinken, es war Gold. Leider hatte er in seiner Einfalt fast alles als Kohlen und Sand hinausgeworfen und nur wenige Ueberreste waren an den Kahnrändern hängen geblieben.

Original: Preussische Sagen, Glogau (jetzt Glogow/Polen) 1868