Die Sonnengöttin Saulé

Sonnengöttin Saulé
Sonnengöttin Saule

„DIE SONNENGÖTTIN SAULĖ IN DEN LITAUISCHEN UND LETTISCHEN DAINAS

In der Baltischen Mythologie und den Volksliedern lebt noch immer die alte Sonnengöttin fort die wir in der Nordischen Mythologie unter dem Namen Sól kennen und die man bei den alten Germanen Sunna nannte. Es ist noch immer jene uralte Göttin die in einem Wagen der von wundersamen Pferden gezogen wird und die in Gestalt der Sonne über die Welt fährt damit wir Licht und Wärme haben.
In der Nordischen Mythologie wird Sól nur kurz erwähnt und im Altgermanischen ist uns nur noch ihr Name erhalten. Ganz anders ist es im Baltikum, weil dort lebt sie in den Dainas und in der Dichtung noch immer weiter und dort spricht sie sogar selbst in den Liedern über ihr Tagewerk und antwortet den fragenden wie hier. Und dieses Mal beginnen die Lieder mit einer litauischen Variante:

„Geliebte Saulė,
Dievas Tochter,
Wo weilest du so lang,
Wo wohnest du so lang,
Wenn du dich von uns entfernst?

Jenseits der Mere, jenseits der Berge
Da schütz ich herrenlos‘ Gut
Dort wärme ich die Hirten.

Geliebte Sonne,
Gottes Tochter,
Wer wird am Morgen
Dein Feuer entzünden?
Wer am Abend dir dein Bett bereiten?

Der Morgenstern, der Abendstern,
Der Morgenstern entzündet mein Feuer,
Der Abendstern bereitet mein Bett.
Viele sind mir Freund und Sippe,
Viele mein Geschenk und Segen.“

An einer anderen Stelle werden ähnliche Fragen gestellt wo Saulė selbst wieder antwortet:

„Geliebte Saulė, Dievas Tochter,
Wo warst du nur den ganzen Tag?

Bei den Bergen und Meeren
meine Kinder zu wärmen,
meine zahllosen Gaben.“

Was kaum jemand weiß ist daß die alten Götter einsam sind und das sie ihre Wege immer alleine ziehen. Ähnlich ergeht es Dievas oder Perkūnas aber über Saulė ist so manch ein Vers über ihre Traurigkeit und Tränen geschrieben worden:

„Hohe Dünen stehn am Meere,
Rote Beeren dort erwuchsen;
Viel geweint hat dort die Sonne,
Ihre Tränen sind die Beeren.“

Der Schmerz und die Traurigkeit der Götter fällt den Menschen meist zum Segen aus, ähnlich wie das Wirken der Götter selbst. Hier zum Beispiel wachsen durch ihre Tränen die roten Beeren im Sommer zur Reife, damit die Menschen auch dadurch etwas Nahrung haben. Aber meistens ist es der warme Sommerregen der sanft auf die Blätter rieselt. Solch ein Regen kennen wir auch als „Die Tränen der Götter“ oder als die „Tränen des Himmels“. Deutlich zeigt es sich in diesem Vers der Lettischen Dainas, wo ihr weinen aber nicht unbemerkt bleibt. Denn der Himmelsgott Dievs und die Schicksalsgöttin Laima sehen es und fühlen mit:

„Dievs weiß, Laima weiß, dass
die Sonne sehr weint; ganze
Wälder sind von den bitteren Tränen
der Sonne voll gerieselt.“

Doch wenn die holde Sonnengöttin Saulė am Tag über daß Kornfeld geht, dann verneigen sich vor ihr in Achtung und Ehrerbietung sogar die Kornähren. Und wenn die Menschen später die gebeugten goldenen Ähren vorfinden, dann glauben sie das es davon kommt weil Saulės Schürze auf ihnen lag. Aber es war für sie ein Zeichen dass die gute Göttin über ihre Felder zum Segen ging und die Reife brachte:

Saulė geht durchs Roggenfeld,
geht mit hochgeraffter Schürze.
Wo sie ihre Schürze senkt,
neigen sich die goldenen Ähren.“

Saulė ist es auch der die dritte und goldene Sonne am Symbol des Himmelsberges gehört. Die höchste und silberne gehört Dievas, die kupfer-rote Perkūnas und die goldenene Sonne gehört Saulė. 3 Himmelsgötter als Segensreiche Herrscher und Freunde der Menschen. Es gibt noch soviele alte Verse und Geschichten daß ich noch ewig weiter machen könnte. Aber hier höre ich erst einmal auf. Aber trotzdem weiß ich jetzt warum die Balten am längsten an ihren Göttern fest hielten. Weil die Götter dort als liebe Freunde und Familie in ihren Herzen wohnten. Und so lebten sie ewig weiter in ihren Liedern und überdauerten die Zeit, bis heute.

Zeichen der Saule

Björn Diekmann

Quellen: Jonas Trinkunas – „Rasa – Götter und Rituale des Baltischen Heidentums“. Kapitel: Alte litauische Lieder, Rasa die litauische Sommer-Sonnenwende.
Victor von Andrejanoff – „Lettische Volkslieder und Mythen“. Kapitel: In freier Natur.
„Hab fünf Truhen voller Lieder – Lettische Dainas“. Kapitel: Sonne geht durchs Roggenfeld.
Haralds Biezais – Die Hauptgöttinnen der alten Letten. Kapitel: Laima und die Sonne.

Devs – Dievs

Devs, Dievs, Dievas oder Dewus, oberster Gott

Deiwus (prußisch)/ Devs (kurisch)/ Dievs (lettisch)/ Dievas (litauisch) war der oberste Gott, der im Zuge der Christianisierung mit dem Christengott verschmolz. Er war derart hochgestellt, dass er faktisch nicht genannt oder angerufen werden durfte. Schon gar nicht durfte man mit ihm hadern: „Mit Dievas läßt sich nicht rechten!

Oberster Gott, ranghöchster zusammen mit Saule, verschmolz später mit dem Christengott, Gott des leuchtenden Himmels, Beschützer geschlossener Verträge, Gott des Friedens und der Freundschaft, versinnbildlichte den Jahreszyklus: zu Weihnachten erwacht er (Hirsch mit 9 Geweihsprossen) und triumfiert zur Sommersonnenwende (Birke). Seine Entscheidungen sind in Stein geschrieben, es gibt keine Flucht davor, es symbolisiert das Gestern-Heute-Morgen. Doch er war eher der passive Gott, der die Aufgaben an die anderen Götter verteilte. So übergab er die Macht an Perkunos, was folgende Geschichte beschreibt:

Einst da herrschte Dievas(Dievs) über die Schar der Götter. Und nachdem er die Sonne, die Welt und die Menschen erschuf, da entschied er die Macht und die Herrschaft über die Erde an seinem stärksten Sohn, dem Donnergott Perkūnas(Pērkons) zu übertragen. Von nun an da sollte Perkūnas über das Recht und das Unrecht richten und den Menschen ein Vorbild, ein Beschützer und ein Wegweiser sein. Genauso wie Dievas es vor ihm war. So übergab der Himmelsgott dem Donnergott auch sein Silbernes Richt-Schwert welches hell leuchtete wie der Tageshimmel selbst. Perkūnas aber war nur seine feurige doppelseitige Axt gewohnt und als er das lichte Schwert in die Hand nahm da entbrannte daß silberne Schwert auf einmal zu einer mächtigen feurigen Flamme, so wie seine Axt zuvor es tat. Auch übertrug Dievas dem Perkūnas sein graues Wolken-Ross womit der Donnergott von nun an viel schneller sein sollte als mit seinem Streitwagen zuvor, der von Ziegenböcken gezogen wurde.

Und so geschah es daß Perkūnas von da an fanatisch das Unrecht verfolgte und die Unholde zerschmetterte. So wurde Perkūnas mit der Zeit viel beliebter als Dievas selbst, und er wurde an seiner statt als der Mächtigste verehrt.

Dievas aber zog sich in den Himmel zurück wo er auf seinem steinigen Berge lebt, er herrscht auch weiterhin über den Himmel und über die Götter sowie Perkūnas nun über die Erde und die Menschen herrschte. Aber wenn die Welt vergehen sollte da kehrt Dievas wieder zurück um das schlimmste zu verhindern, aber bis dahin herrscht und kämpft Perkūnas an seiner statt.

Gesammelt,überarbeitet,vervollständigt und rekonstruiert von Björn Dieckmann.

Die meisten Geschichten in der Baltischen Mythologie sind in Versen, Gedichten und Liedern geschrieben. Aber ich wollte den Leser nicht über strapazieren deshalb versuche ich es immer Prosa-Form also in Erzähl-Form wieder zugeben. Aber ich werde wie immer die Bücher und die Kapitel angeben wo genau man diese Verse und Fragmente genau findet.

Ich muss aber vorher noch erwähnen dass man die selben Götter auch in der Germanischen und Nordischen Mythologie findet, so wie Dievas und Perkūnas auch. Die Sonnengöttin Saulė zum Beispiel heißt im Norden Sól und bei den Germanen Sunna. Der Mondgott Mėnou heißt im Norden Máni. Der Morgenstern Auseklis wird im Norden Aurwandil genannt und bei den Germanen Orendel genannt. Dort ist er noch immer ein mutiger Held der wie ein Engel alle anderen überstrahlt. Aušrine die Göttin der Morgenröte ist niemand geringeres als Ostara von der in Deutschland als Oster-Jungfrau noch in so mancher Sage erscheint.

Quellen: Viktor von Andrejanoff – „Lettische Volkslieder und Mythen“, „Lettische Märchen, Kapitel: Mythologisches, Sonne und Mond, Die Sonnentochter, 1. Mythe, 2. Märchen.

Jonas Trinkunas – „Rasa Götter und Rituale des Baltischen Heidentums“ Kapitel: Menesio Svoboda.

Haralds Biezais – „Germanische und Baltische Religion“ Zweiter Teil, Kapitel: Der Himmelsgott Dievs, Saule, Mēness, Pērkons, Die Gottessöhne und Sonnentöchter, Auseklis.

Marija Gimbutas – Baltische Mythologie.

Der Himmelsgott DIEVAS/DIEVS in den lettischen DAINAS

Die Dainas sind Lieder die sich im Baltikum und ganz besonders in Lettland aus uralter Zeit erhalten haben. So manch ein Lied oder ein Vers kündet dort noch von den alten Göttern der Balten.
Heute versuche ich mal nach dem Religions-Forscher Haralds Biezais ein paar dieser Verse schriftlich zu präsentieren und diese in eine chronologische Geschichte zu wandeln.
So beginne ich mit den höchsten Gott Dievas den die Letten Dievs nennen. Er ist der uralte Schwert-Gott und Göttervater den wir in indogermanischer und altgermanischer Zeit unter den Namen Tiewas(Tiwaz) kennen.

Sein Symbol war ein steiler Berg über dem eine silberne Sonne scheint. Das war der Himmelsberg auf den Dievs selbst silber-leuchtend thront. Aber nicht wie ein König sondern eher wie ein Bauer der Gerste sät. Denn die Balten waren wie die alten Germanen oder die nordischen Wikinger ein Volk von Bauern gewesen.
Und wenn sie am Horizont in geistiger Schau den den Himmelsberg erblickten und das silberne Licht darauf sahen, da sangen sie:

„Was glänzt dort, was glitzert dort
auf dem Gipfel jenes Berges?
Der liebe Dievs säte Gerste mit
silbernen Saatkorb.“

Und es heißt in vielen Liedern daß Dievas im Frühjahr aufbricht um zu den Menschen in das Tal zu reiten. So manch eine Gottheit wie die Sonnentochter bereitet ihm mit ihrer lichten Kraft die Bahn indem sie ihn die Tore für den Ausritt öffnet. Symbolisch sieht man auch hier an den Sternen-Handschuhen wie die Sonne aufgeht und die Sternennacht verdrängt:

„Sachte, sachte ritt Dievs vom
Berg herunter; die Sonnentochter
öffnet das Tor, mit Sternen-Handschuhen
an den Händen.“

An einer Stelle wird beschrieben warum Dievas so ganz sachte, langsam und vorsichtig reitet. Und zwar weil er das das Wachstum in der Welt nicht stören oder verschrecken möchte. Ganz behutsam und vorsichtig reitet er in die Welt hinab damit alles Leben sich ungestört entfalten und gedeihen kann. So bringt er langsam daß Licht, die Wärme und das Leben in die Welt ohne irgendjemanden zu stören, weder die Pflanze noch den Pflüger. Er will nichts durch seine Anwesenheit gefährden, denn alles soll in Ruhe sich entwickeln und gedeihen dürfen ohne verschreckt zu werden.
Und manchmal da geschieht ein Wunder, weil so manch ein Schäfer kann Dievas aus der Entfernung sehen wie er in einen alten heiligen Birkenhain reitet. Aus Neugier geht der arme Hüter ihm nach und findet im Birkenhain Dievas sein Schwert als Geschenk dort liegen. Dievs ist wieder fort, aber sein Schwert bleibt zurück damit es den Menschen Schutz und der Natur so wie der Saat gedeihen und Wachstum schenkt. Aus diesem Grund ist sein Schwert auch nicht mehr Silber sondern grün, sowie ein altes Bronze- oder Kupfer-Schwert. So steht auch in so manch einem Vers:

„Ich fand beim Hüten im Birkenhain
ein grünes Schwert; wo Dievs
den Gürtel gürtete, dort fiel
das Schwert hin.“

Die Menschen dachten daß er es verloren hätte als er zur Rast seinen schweren Gürtel ablegte. Aber in Wahrheit ließ er es ihnen, weil sie Hilfe und ein Wunder brauchten. Schutz und Segen für das kommende Jahr. Grün ist es dann weil es Wachstum bringt.

Aber nicht nur sein Schwert war besonders sondern auch seine Pferde. Denn er ritt nicht nur auf einem, sondern manchmal da kam er sogar mit einem ganzen Gespann von neun Pferden die seinen Wagen zogen. Und über diese Neun sang man:

„Dievs fuhr über den Berg aus
Steinen mit neun Pferden; sie
schwitzten nicht, sie wurden nicht
müde, man brauchte sie nicht auf
dem Wege zu füttern.“

Aber ähnlich wie die Geschichte mit Schwert als Dievas in den Birkenhain ritt, so ließ er auch manchmal den Menschen sein Pferd. Weil so manch ein armer Pflüger der keins mehr hatte brauchte Hilfe oder ein Wunder. Und so verschwand Dievs und ließ am Wegesrand sein stattliches Himmelsross zurück, damit er es finde und es ihm nütze. Und beim Anblick des Pferdes sah man die Himmelsmacht der Gestirne schimmern. Und so heißt es:

„Ich fand auf dem Wege das von
Dievs gerittene Roß: durch den
Sattel ging die Sonne auf, durch den
Zaum der Mond, am Ende des
Zügels rollte der Morgenstern.“

In weiser Voraussicht weiß er genau wer es finden wird und wie sehr er und die seinen es brauchen werden. Denn in seiner All-Weisheit weiß er genau wann wer wo sein wird, zum rechten Zeitpunkt.
Und so manches Mal ist solch ein wundersames junges Pferd in einer armen Bauern-Familie aufgetaucht, wo die Brüder dann einander fragten:

„Brüderlein, dein Rößlein hat silberne
Flecken! Wuchs es dir selbst
heran, oder hast du es von Dievs
geliehen?“

So versuchte Dievas die Armut in der Welt durch seine Gaben wieder auszugleichen. Darin erkennt man noch den alten Gott der Gerechtigkeit der versucht alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen was anfing sich zum schlechten und zur Not zu neigen. Er gleicht es wieder aus. Er verlangte nie Opfer oder Gegengaben. Denn er steht noch für einen Urstand wo das Gleichgewicht der kosmischen Ordnung selbstverständlich war daß man es ausgleichte wenn es sich zu Ungunsten neigte.

Dies war ein kleiner Ausflug in die Dainas und in die Verse die vom höchsten Gott Dievas kündeten. Aber auf dem Symbol des Himmelsberges da scheint nicht nur eine silber-weiße Sonne sondern noch zwei weitere. Eine ist rötlich, bronze-farben oder kupfern und die dritte ist golden. Jede steht für eine Gottheit. Und die anderen lernen wir demnächst kennen.

Björn Dieckmann

Quellen: Haralds Biezais – „Die Gottesgestalt der Lettischen Volksreligion.
Kapitel: III Dievs des Himmels. IV Dievs in seiner Himmelswirtschaft. V Dievs auf dem Lettischen Bauernhof. VI Universale Züge im Wesen von Dievs.

Perkunos und das Vieh

Als die Welt noch jung war da wollte Perkunos diese kennenlernen weil sie ihm vom Höchsten anvertraut wurde. Das war eine Zeit gewesen wo es noch fast gar keine Menschen gab und wo die Tiere noch sprechen konnten. Perkunos nahm die Gestalt eines einfachen Reisenden an und durch wanderte die Welt um das gute Herz der Geschöpfe zu prüfen die auf ihr lebten.
Da begegnete er zuerst dem Pferd daß damals noch sehr hochmütig war. Es war gerade dabei zu grasen und ließ sich nicht stören. Da fragte der Reisende Gott höflich: Sag, kannst du mir vielleicht den Weg zum Fluss zeigen? Da sprach das Pferd: Jetzt nicht, ich fresse lieber!
Aber die Frage hatte ein Rind gehört daß abseits auch weidete. Da kam das Rind näher und sprach: Ich will dir helfen lieber Fremdling, und dir den Weg zum Fluss zeigen.
Da sprach nun Perkunos zum Pferd leicht zornig: Da du anderen nicht helfen wolltest und lieber fressen willst so sollst du nun ewig grasen und niemals satt werden! Und unterbrechen kann dich von nun an nur noch deine schreckhaftigkeit.
Aber zum Rind sprach er: Du hast ein gutes Herz und ein gutes Wesen, und deshalb sollst du immer genüsslich grasen dürfen und satt werden! Du sollst dabei auch immer deinen Frieden haben.
Das ist der Grund warum die Pferde heute immer noch ununterbrochen grasen und auch so schreckhaft sind, während sich das Rind immer nach dem fressen gemütlich niederlegt.

Quellen: Ferdinand Hirt – Zwischen Wechsel und Memel. Kapitel: Perkunos und die weidenden Tiere.
Jonas Trinkunas – Rasa, Götter und Rituale des Baltischen Heidentums. Kapitel Dievas, Perkūnas,, Velinas und der Nachtrag.
Jacob Grimm – Deutsche Mythologie. Kapitel: Vorrede.
Claudius Crönert – Die Herren der Schwerter. Kapitel 6. Gesammelt und Neu-erzählt von Björn Dieckmann.

Perkunos und Velinas

Nachdem der höchste Gott Dievas, den die alten Kuren auch Devs oder Deiwus nannten, mit seinem Bruder und Gehilfen Velinas der auch bei den Prussen Patulos genannt wurde die Welt und alles was darin war geschaffen hatte, da wollte Dievas einen würdigen Beschützer für sie haben. Er brauchte jemanden den er vertrauen konnte und der das Leben, die Menschen und das Recht schützte. Auch musste er das Unrecht richten und den Tod vom Leben fern halten können.
Velinas bot sich selbst für diese Aufgabe an weil er schon immer wie Dievas über alles herrschen wollte. Doch Dievas wusste daß Velinas nicht würdig war weil dieser durch seine verschlagene Art nur Leid, Schmerz und Schaden brachte. So wurde der Einäugige Velinas nur zum Gott der Toten, der Gespenster und zum Bringer des Todes selbst.
Das passte mehr zu seiner Art.
Aber zum Beschützer der Erde, des Lebens und der Menschen machte er dann den starken Donnergott Perkunos. Auch wenn Perkunos recht polternd und grimmig wirkte so hatte er doch das Herz am rechten Fleck. Denn er duldete kein Unrecht und schlug ohne zu zögern mit seinen Blitzen und seiner feurigen Axt zu!
So geschah es oft daß wenn Velinas(Patulos) sich einem Haus der Menschen näherte um den Tod zu bringen dann warf Perkunos sofort seine fürchterlichen Blitze nach ihm und machte sogar noch persönlich Jagd auf ihn. Selbst wenn Velinas sich unter den Bäumen versteckt wie zum Beispiel unter den heiligen Eichen des Donnergottes, weil er denkt diese würde Perkunos nicht anrühren weil sie ihm heilig sind, so wirft Perkunos seine Blitze trotzdem und verfolgt Velinas weiter.
Das ist der Grund warum Blitze so oft in Bäumen und Häusern einschlagen. Perkunos meint es nicht böse wenn er das tut, er nimmt nur seine Aufgabe sehr ernst die ihn anvertraut wurde. Er versucht nur Velinas zu vertreiben und den Tod fern zu halten.
Als dann später das Christentum einzog da glaubten die Menschen weiterhin lieber an Perkunos als an den Christen-Gott.
So übernahm der neue Christen-Gott die alten guten Wesenszüge des Himmelsgottes Dievas und der Donnergott Perkūnas wurde sein Vollstrecker. Aber Velinas wurde zum Teufel und zu ihren Gegenspieler.

Quellen: Ferdinand Hirt – Zwischen Wechsel und Memel. Kapitel: Perkunos und die weidenden Tiere.
Jonas Trinkunas – Rasa, Götter und Rituale des Baltischen Heidentums. Kapitel Dievas, Perkūnas,, Velinas und der Nachtrag.
Jacob Grimm – Deutsche Mythologie. Kapitel: Vorrede.
Claudius Crönert – Die Herren der Schwerter. Kapitel 6. Gesammelt und Neu-erzählt von Björn Dieckmann.

1. Mai Laimas Feiertag

Laima mit ihrem Kuckuck

Am 1. Mai feiern einige Balten den „Laima-Tag„. Ihr Kuckuck ruft zum ersten mal den Frühling aus und beginnt zu singen. Die Glücksgöttin LAIMA bestimmt das Glück und warnt vor Unglück. Und ihr kleiner Helfer unterstützt sie dabei.

Der Kuckuck sagt den Alten das Jahr voraus oder den jungen Mädchen, ob sie heiraten werden. Sind die Vögel in den Bäumen und bleiben dort, wird es ein gutes Jahr. Aber schauen sie durch das Fenster herein, kündigen sie ein großes Unglück an.

Junge Leute treffen sich heute und feiern den Frühlingsanfang mit Tanz und Musik. Dort lernen sich viele Jugendliche kennen und verlieben sich vielleicht zum ersten mal. Und Glücksgöttin Lima wacht darüber und freut sich über die Ausgelassenheit.

Warum der Mond zu- und abnimmt

Einst in uralten Zeiten als die Welt noch jung war da ehelichte die Sonne(Saulė) den Mond(Mėnuo). Lange lebten sie glücklich und unzertrennlich zusammen. Sie zogen auch immer gemeinsam ihre Bahn über den Himmel. Sie standen morgens gemeinsam auf und legten sich Abends gemeinsam schlafen. Die lichten Sterne in der Nacht waren ihre Kinder.

Doch eines Morgens da erwachte die Sonne allein und sie suchte verzweifelt ihren Gemahl aber sie fand ihn nicht. In den folgenden Tagen und Nächten war das selbe der Fall. So zog die Sonne ihre Bahn nun allein. Dann erfuhr sie dass der Mond die Göttin Aušrine(Göttin der Morgenröte) verführte und sie zur untreue verleitete. Aber Aušrine war längst mit dem Morgenstern(Auseklis) verlobt. Sie waren einander versprochen gewesen, so hatte es der Donnergott Perkūnas vor langer Zeit bestimmt gehabt. Da ging die Sonne nun zu Perkūnas der nun der neue Herrscher war und sie klagte ihm zitternd voller Schmerz und Zorn ihr Leid. Sie erzählte ihm alles was geschah. Darauf hin stieg Perkūnas auf daß schnelle Wolken-Ross jagte dem flüchtenden Mond hinterher. Als er ihn stellte da nahm er das feurige Richt-Schwert und schlug den Mond in zwei Hälften. Daraufhin sagte Perkūnas: Wie die meisten Halben kennst du keine Treue! Du willst nicht beständig sein, nicht treu sein, kein Ganzer sein! Drum sollst du nun für immer ein Halber sein und auf ewig ein Mahnbild für alle unbeständigen und untreuen Menschen!

Seit dem ist der Mond in der wechselhaften unbeständigen Form wie wir ihn heute kennen. Mal ein Halber, mal ein Ganzer und manchmal garnicht da, so wie die meisten unbeständigen treulosen Menschen. Und niemals wieder durfte er gemeinsam mit der Sonne über die Welt ziehen. Er musste sie immer meiden. So nahm die Sonne für sich den Tag und der Mond musste die Nacht sich wählen. Und selbst wenn der Mond am Tage zu sehen war so musste er der Sonne fern bleiben.

Er sollte nun die dunkle Nacht erleuchten, damit die Menschen auch dort ein Licht haben.

Und immer wenn die Menschen den Mond in der Nacht sahen dann gedachten sie der alten Geschichte und schworen sich immer Beständig und Treu zu sein.

Gesammelt,überarbeitet,vervollständigt und rekonstruiert von Björn Dieckmann.

Die meisten Geschichten in der Baltischen Mythologie sind in Versen, Gedichten und Liedern geschrieben. Aber ich wollte den Leser nicht über strapazieren deshalb versuche ich es immer Prosa-Form also in Erzähl-Form wieder zugeben. Aber ich werde wie immer die Bücher und die Kapitel angeben wo genau man diese Verse und Fragmente genau findet.

Ich muss aber vorher noch erwähnen dass man die selben Götter auch in der Germanischen und Nordischen Mythologie findet, so wie Dievas und Perkūnas auch. Die Sonnengöttin Saulė zum Beispiel heißt im Norden Sól und bei den Germanen Sunna. Der Mondgott Mėnou heißt im Norden Máni. Der Morgenstern Auseklis wird im Norden Aurwandil genannt und bei den Germanen Orendel genannt. Dort ist er noch immer ein mutiger Held der wie ein Engel alle anderen überstrahlt. Aušrine die Göttin der Morgenröte ist niemand geringeres als Ostara von der in Deutschland als Oster-Jungfrau noch in so mancher Sage erscheint.

Quellen: Viktor von Andrejanoff – „Lettische Volkslieder und Mythen“, „Lettische Märchen, Kapitel: Mythologisches, Sonne und Mond, Die Sonnentochter, 1. Mythe, 2. Märchen.

Jonas Trinkunas – „Rasa Götter und Rituale des Baltischen Heidentums“ Kapitel: Menesio Svoboda.

Haralds Biezais – „Germanische und Baltische Religion“ Zweiter Teil, Kapitel: Der Himmelsgott Dievs, Saule, Mēness, Pērkons, Die Gottessöhne und Sonnentöchter, Auseklis.

Marija Gimbutas – Baltische Mythologie.

Aušrine, die Morgenröte

Lange bevor die Sonne und der Mond einander ehelichten da liebten Perkūnas und die Sonne einander sehr. Das war noch bevor Perkūnas die Herrschaft von Dievas übernahm.

Aus dieser Liebe entstand die Göttin Aušrine. Sie hatte das rote Feuer ihres Vaters und die goldenene Schönheit ihrer Mutter. Sie ist die Morgenröte. Deshalb wird sie auch überall so genannt. Als Perkūnas die Schönheit der lichten Sonnen-Tochter sah, wusste er dass sie einen mutigen und ebenbürtigen Gemahl brauchte der in der Not sie auch beschützen konnte. Da bestimmte er den Morgenstern(Auseklis) zu ihrem zukünftigen Gemahl. Denn er überstrahlte alle anderen Sterne sowie der Held alle normalen Leute überstrahlt. So wurde die Verlobung von Perkūnas bestimmt und die beiden schienen auch sehr einander zugetan zu sein. Aber dann wurde sie vom Mond zur untreue verleitet und so brach sie diesen Bund. Da musste der Vater Perkūnas seine Tochter aus der Gemeinschaft der Götter verstoßen und so verbannte er sie auf die Erde.

Das goldenene und rote Feuer sollte jetzt den Menschen für immer Licht und Wärme spenden. So sollte nun ihr Feuer ebenso wie der Mond die dunkle Nacht erhellen.

Ab und zu da soll man sie auch auf der Erde in grünen Birken-Hainen sehen. Mal als kleine Flamme und mal in wunderschöner Menschen-Gestalt. Und wenn man großes Glück hat dann schenkt sie einen ihr Feuer, aber dieses darf man nicht ausgehen lassen weil dann bringt es Glück und Segen mit sich.

So glaubten die Menschen daß Perkūnas selbst in alter Zeit daß Feuer so zur Erde sannte.

Gesammelt,überarbeitet,vervollständigt und rekonstruiert von Björn Dieckmann

Die meisten Geschichten in der Baltischen Mythologie sind in Versen, Gedichten und Liedern geschrieben. Aber ich wollte den Leser nicht über strapazieren deshalb versuche ich es immer Prosa-Form also in Erzähl-Form wieder zugeben. Aber ich werde wie immer die Bücher und die Kapitel angeben wo genau man diese Verse und Fragmente genau findet.

Ich muss aber vorher noch erwähnen dass man die selben Götter auch in der Germanischen und Nordischen Mythologie findet, so wie Dievas und Perkūnas auch. Die Sonnengöttin Saulė zum Beispiel heißt im Norden Sól und bei den Germanen Sunna. Der Mondgott Mėnou heißt im Norden Máni. Der Morgenstern Auseklis wird im Norden Aurwandil genannt und bei den Germanen Orendel genannt. Dort ist er noch immer ein mutiger Held der wie ein Engel alle anderen überstrahlt. Aušrine die Göttin der Morgenröte ist niemand geringeres als Ostara von der in Deutschland als Oster-Jungfrau noch in so mancher Sage erscheint.

Jūratė und Kastytis

Vor sehr sehr langer Zeit da herrschte über die Ostsee die Meeres-Göttin Jūratė. Sie war sehr mächtig und sie regierte ihr Reich sowohl Über- wie auch Unterwasser. Vom Aussehen her glich sie einer wunderschönen Meerjungfrau, aber wenn sie wollte dann konnte sie eine so wild brausende See entfesseln daß die Fischer und Seefahrer mit ihren Booten kenterten und ertrinken mussten. Nur der Donnergott Perkūnas war mächtiger als sie und konnte selbst Jūratė dafür zu Rechenschaft ziehen.

Einst da lebte ein junger Fischer namens Kastytis der fast täglich mit seinem Boot hinaus fuhr um Fische für sein Dorf zu fangen. Er war wunderschön vom Aussehen her und er hatte immer ein unglaublich großes Glück beim fangen der Fische, so dass er viel mehr Fische nach Hause brachte als alle anderen Menschen zu jener Zeit. Er fing sogar so viele Fische daß dem Volk von Jūratė fast nichts übrig blieb. Also beschloss sie Kastytis dafür zu bestrafen. Also entfachte sie eine tobende wilde See daß Kastytis sein Boot sank und er ertrinken musste, aber als er ins Wasser fiel und von unsichtbaren Armen nach unten gezogen wurde da erblickte Jūratė das wunderschöne und jugendliche Gesicht von Kastytis und sie verliebte sich sofort unsterblich in ihn. Also beschloss sie ihn nicht zu ertränken und nahm ihn stattdessen mit hinab in ihr Reich. Sie lebten eine lange Zeit zusammen in ihren riesigen Schloss daß ganz und gar aus Bernstein bestand.

Die Menschen beteten aus Trauer und Wut zum mächtigen Donnergott Perkūnas weil sie glaubten dass ihr Kastytis beim Sturm ertrunken sei. Hatten sie doch mit ihm ihren besten und begabtesten Fischer verloren, und mit ihm verloren sie auch ihren Wohlstand wodurch der alte Hunger und die alte Not wieder einkehrte.

Als daß flehen der Menschen den Donnergott erreichte, da sah Perkūnas von seinem Sitz aus daß Kastytis am Leben war und gemeinsam mit Jūratė in ihren Reich im Bernstein-Schloss lebte.

Er erblickte die beiden und sah nicht nur daß was gerade geschah sondern er sah auch das Unheil was daraus entstehen sollte. Also nahm der Donnergott seine mächtigen Blitze und schmetterte sie in das Reich von Jūratė, so daß ihr Bernstein-Schloss vollkommen zersprengt wurde. Dabei wurde Kastytis erschlagen. Danach stieg der Donnergott hinab in ihr einstiges Reich und kettete die unsterbliche Jūratė an einem Felsen am Meeresgrund an.

Dadurch aber daß ihr Bernstein-Schloss in unzählige kleine Stücke zersprengt wurde war das Meer und die Ostsee voll damit. Und nach jedem Sturm blieben sie an den Stränden zurück und dadurch verschafften diese Wertvollen Steine den Menschen in dieser Region wieder einen Wohlstand der gleichbedeutend war wie den als Kastytis noch lebte und er den überreichen Fang noch mitbrachte.

Es heißt dass immer wenn es stürmt dann hört man noch das weinen und wehklagen von Jūratė wie sie um ihren geliebten Kastytis weint und trauert. Andere meinen die Bernsteine sind ihre Tränen die sie um ihren Liebsten weinte.

Grausam erscheint hier das richten und walten des Donnergottes. Als sei diese Liebe etwas was er nicht wollte. Aber selbst der Schreiber der Prosa-Edda Snorry Sturluson hatte mal erwähnt dass die Asen-Götter in der Lage waren in die Zukunft zu sehen und dadurch wussten welches Unheil noch kommen wird. In der Altdeutschen und Altnordischen Helden-Sage passierten schreckliche Dinge wenn Meeres-Wesen und Menschen sich mischten. Der Nachwuchs glich mer einen Monster als einem Menschen, jene zogen eine lange Spur aus grausamen Gewalttaten hinter sich her die kein Mensch beenden konnte.

Nur ein unbesiegbarer Held oder ein mächtiger Gott hätte dem Einhalt gebieten können. Und der Donnergott war immer beides gewesen.

Der einstige Fischer Kastytis soll einem Fischerdorf stammen Namens Šventoji bei dem Ort Palanga. Palangas Wappen trägt noch heute die Krone und das Bernstein-Halsband von Jūratė.

Dort kennt nahezu jeder die Geschichte von Jūratė und Kastytis. Es gibt sogar viele unterschiedliche Versionen. Und immer wenn die Menschen die kleinen Bernstein-Stücke finden dann gedenken sie Jūratės Schmerz.

Mann wird es kaum glauben aber der Donnergott Perkūnas ist selbst heute noch der beliebteste der Alten Götter in den Baltischen Ländern. Trotz der traurige Sage hatten die Menschen durch seine rächende Tat diesen Reichtum erhalten.

Aber noch viel wichtiger ist daß der Donnergott versucht die Menschen zu rächen wo er nur kann und das ganz besonders wenn es gegen unsichtbare oder übersinnliche Mächte geht.

Quellen: Marija Gimbutas – Baltische Mythologie
Kapitel: Jūratė und Kastytis.
Gesammelt,überarbeitet,vervollständigt und rekonstruiert von Björn Dieckmann.

Hier eine weitere Geschichte über das Päärchen:

Die Meeresgöttin Jurate, die beliebteste Tochter des Donnergottes Perkunas, wurde von ihm königlich beschenkt: Er liess auf dem Meeresgrund einen Bernsteinpalast errichten, wo Jurate mit Fischen und Meerestieren lebte. Abends stieg sie nach oben, schaukelte sich auf den Wellenkronen und sang litauische Lieder, die Kankles, eine Zither, auf dem Schoss haltend. Eines Abens hörte ihren Gesang ein schöner junger Fischer namens Kastytis und vergass alles auf der Welt, auch seine Mutter, die am Ostseeufer mit einer Laterne auf dem Kopf auf ihn wartete. Jurate verliebte sich in Kastytis, nahm ihn in ihren Bernsteinpalast auf dem Meeresgrund mit und feierte heimlich vor ihrem Vater Hochzeit. Als Perkunas davon erfahren hat, erzürnte er darüber, schickte Blitze herunter, schlug auf das Bernsteinschloss und zerstörte den Palast völlig. Kastytis kam um. Die göttliche Jurate trauert um ihn bis heute und vergiesst ihre Bernsteintränen, die vom Meer ans Ufer geworfen werden. Die grossen Bernsteinstücke sind Reste vom zerstörten Palast der Göttin.

Nacherzählt von Vilija Gerulaitiene

Die Sage über Jurate und Kastytis schrieb der Volkskundler, Ethnograph und Literaturhistoriker Liudvikas Adomas Jucevicius auf und veröffentlichte sie auf polnisch in Vilnius in seinem Buch „Wspomnienia Zmudzi“ (1842)

Todesgöttin Giltine

Die Göttin Giltine nimmt eine besondere Stellung ein. Giltine war die schöne und gesellige Schwester der Göttin Laima. Einst freundlich und den Menschen wohlgesonnen. Sie trug Sorge, dass sich der Mensch nicht als überflüssig empfand. Laima war für den Anfang und den Lauf des Lebens zuständig und Giltine für das Ende. Sie beobachtete, wann es Zeit für den Menschen war und begleitete ihn am Ende seines Lebens in den Tod.

Giltine erschien den Menschen als schwarzer Käfer oder Schlange. In Menschengestalt wurde sie von einer heiligen Eule begleitet. Magyla war einst die Dienerin eine der ältesten Göttinnen. Sie war die Göttin des Zorns und des Unglücks und wird auch eher als Dämon und Furie beschrieben. Giltine hielt sie in Schacht.

Doch verlor Giltine ihre Gutmütigkeit, wie auch ihre Schönheit und entwickelte sich geradezu ins Gegenteil!

Schon in der antiken litauischen Mythologie wurde beschrieben, dass sie in Schwierigkeiten geriet und in einen Sarg gesperrt wurde. Dort verbrachte sie sieben Jahre und verdorrte zu einer hässlichen Frau. Damit wechselte sie ihr Wesen und wurde von der gutmütigen Göttin zur grausamen Todesgöttin. Da ihr Name sich von „gelb“ und auch „stechend“ ableitet, sagt man, dass sie fortan eine giftige gespaltene Zunge hatte, mit der sie, ähnlich einem Stachelrochen, damit zusticht. Es heißt, dass ihre giftige Zunge immer aus dem Mund heraushängt. Damit leckt sie das Gift von den Friedhöfen auf und benetzt damit anschließend jene, deren Tod unmittelbar bevorsteht. Kranke erwürgt und erstickt sie auch. Schrecklichste Ausprägung ist jedoch der Bezug zur Pest, wie auch ihre Dienerin Magyla.

In Volksmärchen wird oft erwähnt, dass Menschen, die den Tod hinauszögern wollen, mit Tricks versuchen zu täuschen. So schnitt man Giltinas lange Nägel oder ihre gespaltene Zunge ab, um ihr zu entkommen. Doch Niemand entkam ihr letztendlich.
In Litauen wurde oft dafür gesorgt, dass zwischen Dorf und Friedhof ein Fluss liegt, denn Giltine kann kein Wasser überqueren.
Ähnlich dem Sensemann in christlichen Sphären, erscheint sie nun als sehr dünne, große, weißgewandete Gestalt und kommt in das Haus von Todkranken. Sie bringt den Tod auch mit erwürgen und ersticken.

Später wurde Giltine auch als Skelett mit einer Sense in der Hand dargestellt, was aus dem Christentum nach Litauen kam. In der Antike gab es auch spezielles Gebäck, welches zu ihrer Ehren an Bettler verteilt wurde um sie wohl zu gesinnen.