
„DIE SONNENGÖTTIN SAULĖ IN DEN LITAUISCHEN UND LETTISCHEN DAINAS„
In der Baltischen Mythologie und den Volksliedern lebt noch immer die alte Sonnengöttin fort die wir in der Nordischen Mythologie unter dem Namen Sól kennen und die man bei den alten Germanen Sunna nannte. Es ist noch immer jene uralte Göttin die in einem Wagen der von wundersamen Pferden gezogen wird und die in Gestalt der Sonne über die Welt fährt damit wir Licht und Wärme haben.
In der Nordischen Mythologie wird Sól nur kurz erwähnt und im Altgermanischen ist uns nur noch ihr Name erhalten. Ganz anders ist es im Baltikum, weil dort lebt sie in den Dainas und in der Dichtung noch immer weiter und dort spricht sie sogar selbst in den Liedern über ihr Tagewerk und antwortet den fragenden wie hier. Und dieses Mal beginnen die Lieder mit einer litauischen Variante:
„Geliebte Saulė,
Dievas Tochter,
Wo weilest du so lang,
Wo wohnest du so lang,
Wenn du dich von uns entfernst?
Jenseits der Mere, jenseits der Berge
Da schütz ich herrenlos‘ Gut
Dort wärme ich die Hirten.
Geliebte Sonne,
Gottes Tochter,
Wer wird am Morgen
Dein Feuer entzünden?
Wer am Abend dir dein Bett bereiten?
Der Morgenstern, der Abendstern,
Der Morgenstern entzündet mein Feuer,
Der Abendstern bereitet mein Bett.
Viele sind mir Freund und Sippe,
Viele mein Geschenk und Segen.“
An einer anderen Stelle werden ähnliche Fragen gestellt wo Saulė selbst wieder antwortet:
„Geliebte Saulė, Dievas Tochter,
Wo warst du nur den ganzen Tag?
Bei den Bergen und Meeren
meine Kinder zu wärmen,
meine zahllosen Gaben.“
Was kaum jemand weiß ist daß die alten Götter einsam sind und das sie ihre Wege immer alleine ziehen. Ähnlich ergeht es Dievas oder Perkūnas aber über Saulė ist so manch ein Vers über ihre Traurigkeit und Tränen geschrieben worden:
„Hohe Dünen stehn am Meere,
Rote Beeren dort erwuchsen;
Viel geweint hat dort die Sonne,
Ihre Tränen sind die Beeren.“
Der Schmerz und die Traurigkeit der Götter fällt den Menschen meist zum Segen aus, ähnlich wie das Wirken der Götter selbst. Hier zum Beispiel wachsen durch ihre Tränen die roten Beeren im Sommer zur Reife, damit die Menschen auch dadurch etwas Nahrung haben. Aber meistens ist es der warme Sommerregen der sanft auf die Blätter rieselt. Solch ein Regen kennen wir auch als „Die Tränen der Götter“ oder als die „Tränen des Himmels“. Deutlich zeigt es sich in diesem Vers der Lettischen Dainas, wo ihr weinen aber nicht unbemerkt bleibt. Denn der Himmelsgott Dievs und die Schicksalsgöttin Laima sehen es und fühlen mit:
„Dievs weiß, Laima weiß, dass
die Sonne sehr weint; ganze
Wälder sind von den bitteren Tränen
der Sonne voll gerieselt.“
Doch wenn die holde Sonnengöttin Saulė am Tag über daß Kornfeld geht, dann verneigen sich vor ihr in Achtung und Ehrerbietung sogar die Kornähren. Und wenn die Menschen später die gebeugten goldenen Ähren vorfinden, dann glauben sie das es davon kommt weil Saulės Schürze auf ihnen lag. Aber es war für sie ein Zeichen dass die gute Göttin über ihre Felder zum Segen ging und die Reife brachte:
„Saulė geht durchs Roggenfeld,
geht mit hochgeraffter Schürze.
Wo sie ihre Schürze senkt,
neigen sich die goldenen Ähren.“
Saulė ist es auch der die dritte und goldene Sonne am Symbol des Himmelsberges gehört. Die höchste und silberne gehört Dievas, die kupfer-rote Perkūnas und die goldenene Sonne gehört Saulė. 3 Himmelsgötter als Segensreiche Herrscher und Freunde der Menschen. Es gibt noch soviele alte Verse und Geschichten daß ich noch ewig weiter machen könnte. Aber hier höre ich erst einmal auf. Aber trotzdem weiß ich jetzt warum die Balten am längsten an ihren Göttern fest hielten. Weil die Götter dort als liebe Freunde und Familie in ihren Herzen wohnten. Und so lebten sie ewig weiter in ihren Liedern und überdauerten die Zeit, bis heute.

Björn Diekmann
Quellen: Jonas Trinkunas – „Rasa – Götter und Rituale des Baltischen Heidentums“. Kapitel: Alte litauische Lieder, Rasa die litauische Sommer-Sonnenwende.
Victor von Andrejanoff – „Lettische Volkslieder und Mythen“. Kapitel: In freier Natur.
„Hab fünf Truhen voller Lieder – Lettische Dainas“. Kapitel: Sonne geht durchs Roggenfeld.
Haralds Biezais – Die Hauptgöttinnen der alten Letten. Kapitel: Laima und die Sonne.











